Zwischen Netflix und Nietzsche, zwischen Tiefgang und Tobsinn. Ein Spoken-Word-Abend mit Herz, Schalk, Poesie, Irrwitz und einer Urne.
«Ich wurde am 28. März 1990 – ohne mein ausdrückliches Einverständnis – in diese Welt gestellt und bin das bislang jüngste Kind meiner Eltern» sagt Johannes Millius über sich selbst. Konsequenterweise widmet er sich in seinem ersten Soloabend unvermittelt seinem eigenen Ableben. Zwischen Liebesgeschichte und vorgedruckter Beileidskarte führt er das Publikum vorbei an den Südhängen Riojas, der Zähringerapotheke in Bern und kistenweise Legosteinen. Dort, wo Erinnerungen plötzlich lauter sind als Worte, findet er Humor im Staub des Vergänglichen. Ein Abend, der tröstet, ohne kitschig zu werden, und lachen lässt, wo man es nicht erwartet.
Johannes R. Millius ist nach Sina, Tschugger und diversen FIFA-Präsidenten der nächste verzweifelte Versuch des Kantons Wallis, in der restlichen Schweiz irgendwie sympathisch zu wirken. Fernab von allen Klischees klingt er trotzdem nach Ferien auf der Bettmeralp und Skilager in Fiesch. Und natürlich kennt er alle Personen, die Sie aus dem Wallis kennen – vermutlich sogar aus familiären Gründen. Zwischen Walliser Witz und stiller Wehmut zeigt er, dass selbst der Tod im Dialekt ein bisschen wärmer klingt.
Das Stück «Im Abgang lebhaft» ist nominiert für den Jungsegler Förderpreis 2026 (Nachwuchsförderung für Kleinkunst)!
Oeil extérieur: Nicole Knuth
